zwischen russen und deutschen eingezwängt zu sein ist die historische bestimmung mitteleuropas. die mitteleuropäische angst schwankt historisch zwischen zweierlei sorge hin und her: die deutschen kommen, die russen kommen. der mitteleuropäische tod, das ist der tod im lager oder im gefängnis, ein kollektiver tod. massenmord, säuberungen. die mitteleuropäische reise, das ist die flucht. aber woher, wohin? vor den russen zu den deutschen? oder vor den deutschen zu den russen? gut, daß es auf der welt im notfall noch amerika gibt.
juri andruchowytsch „moja evropa„
ja und damit beginnt es wieder.
gelockte mädchen mit träumendem blick und alternativem schmuck wollen „total gerne was so mit jüdischer diaspora machen und so“, das hätte sie schon immer interessiert. die deutsche romantik lebt weiter in diesen köpfen, staubige koffer, ein bärtiger vater mit pince-nez, wanderlust, abenteuer, schiffsfahrt, babylonisches sprachgewirr in den unteren klassen. amuröse verstrickungen über einen ganzen, alten kontinent, verlorene heimat wie im lehrbuch, märchen aus absurdistan. spionage, rauchende pistolen, akkumuliertes gedächtnis eines so genannten europas und seiner vertriebenen, umgeschichteten bewohner.
und jetzt&hier träumen sie stark von helden. retrospektive lockenmädchen mit wiedergutmachungsreflex gegenüber einfach allem und jedem und mit missionarisch-bekennendem eifer in den augen. puh.