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peter scholl-latour die pest an den hals

März 7, 2008

„meine kollegen des kamerateams sind fasziniert von den jungen russinnen, die das straßenbild weit mehr beherrschen als die grobschlächtigen, auf schlägertyp gestylten männlichen sibirjaken. es handelt sich bei diesen hochgewachsenen, teils bildschönen frauen keineswegs um prostituierte, obwohl sie sich deren attribute in grotesker weise zu eigen gemacht haben.[...] auf die frage, warum sie sich denn so extravagant ausstatte, antwortet einen schöne blonde: ‘beauty first’.[...]die schamlose darbietung ihrer reize dauert bei den jungen russinnen – das phänomen ist keineswegs auf magadan beschränkt – bis zur erreichung des ziels: der festen bindung an einen männlichen partner, wie boris versichert. einmal unter der haube, würden die schmalen hüften schnell in die breite gehen. die absätze schrumpfen dann auf ein normales maß. die grelle kriegsbemalung verschwindet aus dem gesicht, und der übliche schlendrian eines langweiligen, arktischen ehelebens wird mit viel wodka und zank beginnen.“

peter scholl-latour „russland im zangengriff“, TaBu 2007, s. 259

lieber peter scholl-latour!
ich bekam ihr buch zu weihnachten, als menschen aus meiner familie meinten, mir damit etwas gutes zu tun. jetzt ist bald ostern, ich las ein paar seiten…was soll ich sagen? thematik und stil sind eins a zum kotzen. früher hat man bücher weggeschmissen, heute verkauft man sie bei ebay weiter – das werde ich tun.
sie freuen sich bestimmt ganz toll, wie sie so alle gebirgszüge im hindukusch benennen können, und dass sie so krasse sachen in afghanistan oder weiß der kuckuck wo erleben. prima! das erinnert mich an jungs, die früher alles wußten, weil sie sonst nichts zum angeben hatten.
doch jetzt mal ehrlich: warum diese verachtung? aus jeder seite tropft die abfälligkeit gegenüber russen, afghanen, usbeken, tadschiken, chinesen – alle doof außer sie?? ich habe nach ein paar seiten aufgehört, die adjektive zu zählen, die diese bekannte überhebliche westeuropäische sicht rekonstruieren. hybris, herr scholl-latour, hybris. sie sagen: „die russen“. und sprechen noch nicht mal ein wort russisch, um herauszufinden, was dieses feindobjekt denn da brabbelt an den bushaltestellen und in den küchen.
das obige zitat muss man also auch nicht weiter beleuchten. oder doch? neben frauenverachtung spielen sie hier auch die experten-karte. es sei an edward said erinnert – der orient, das ferne, das unbekannte und irgendwie unverstandene ist immer weiblich. und schwach. oder so. naja, jedenfalls – grüßen sie mir die prostituierten in südfrankreich.

solidarisch zum internationalen frauentag

ihre,

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