Archiv für die Kategorie ‘frauen’

my cervix, my business

Mai 1, 2008

hach, da wollte man ursprünglich michel foucaults sexanalyse huldigen und wird dann in andere denkkanäle geschleust.
im radio lief neulich ein unsägliches werbefeature für die frühvorsorge gegen so genannten gebärmutterhalskrebs (gott, bitte, ich hatte noch nicht mal gefrühstückt) durch eine ärztliche impfung. zuvor wurde bereits ein werbefilmchen fürs TV mit jette joop (???) produziert, die sich „als mutter“ für die gebärmutter ihrer tochter „stark macht„. der spot zeigt die joop’sche mutterhand mit der eines kleinen mädchens, das in sekundenbruchteilen zur (nun ja, wahrscheinlich) sexuell aktiven spätpubertären gemorpht wird und ihrer mutti dankbarkeit entgegenstrahlt – danke, mutti, für die impfung, danke für meine gesunde zervix.
nachdem der erste ekel vor der mütterlichen kontrolle der filialen fortpflanzungsorgane überwunden war, fragt man sich zunächst – hä? welche krankheit? die gab’s bis vor kurzem nicht mal. ein blick auf die homepage (rosa-changierend, weil frauending, und so, nicht wahr?) des impfstoffanbieters ist einleuchtend: glaxosmithkline. ach so. nahe liegt der verdacht, dass hier eine auch bisher bestehende krankheit künstlich aufgeblasen wird zu einer bedrohung, vor der es nicht nur sich selbst sondern – ganz wichtig! – die edle brut des schoßes zu schützen gilt. dass mit der angst von menschen viel geld zu machen ist, besonders mit der angst um das leben ihrer kinder (und, da es sich um fortpflanzungsorgane handelt) sogar das leben der nicht mal existenten enkelkinder und noch folgender nachkommen, d.h. dramatisch ausgedrückt dem fortbestehen der gesamten familie, ist dabei auch nicht so neu. blutsbindung & stammbäumelei anno 2008 A.D.
auf der homepage des impfstoffanbieters wird geraten, „mädchen zwischen 12-17 jahren“ bereits an der impfung teilnehmen zu lassen. man stelle sich damit vor, die überbesorgte mutter folgt frau joops beispiel und nimmt ihre pubertäre tochter mit zu einem frauenarzt, um ihr eine impfung verpassen zu lassen, der es ihr mal „ermöglichen wird, gesunde kinder zu bekommen“ und nicht an krebs zu erkranken (for the record: diese art der krebserregung wird durch viren ausgelöst, daher ist hier eine impfung prinzipiell MÖGLICH). was ist das resultat? sagt die ungefragte tochter (in beiden werbekampagnen, radio wie TV) dann „danke, mutti„? freut sich über einen tiptop gebärmutterhals, gesponsert von einem der größten medizinkonzerne der welt?
zunächst das einfache: es ist bisher ein wunschtraum, (geschlechterunabhängige) krebserkrankungen durch impfung vorzubeugen. ein risiko mehr ausschalten zu können, im falle der frauen durch eine simple vorbeugemaßnahme, ist geradezu in wunderbar greifbarer nähe. dennoch verschweigt man auch hier, dass natürlich selbst durch die drastische verringerung eines metastasen-risikos aus dem gebärmutterhals eine frau auf weiterhin mannigfaltigste weise an krebs erkranken kann, lebensgewohnheiten und die guten alten gene spielen ja auch noch eine rolle. des weiteren kann in einem 20-sekunden spot auch nicht das gesamte verlaufsspektrum einer krebserkrankung abgehandelt werden. krebs muss nicht zwangsläufig tödlich enden und ist in industrienationen gut therapierbar; dennoch nimmt dies niemandem die angst vor einem eventuell zu frühen tod.
gegenüber den biotechnologischen interventionsgedanken ist hingegen der kontrollmechanismus mutter-tochter geradezu grotesk verdeutlicht. die mutter fragt die tochter in der werbung (die auch so gar nichts mit aufklärung, sondern marketing zu tun hat) kein einziges mal, ob sie es eventuell doof findet, dass man ihrem körper virenspuren zusetzt, die sie vor einer infektion ihrer fortpflanzungsorgane schützen. im radiofeature spricht eine mutter mit ihrem arzt (eine markante, autorität versprühende männliche stimme mit weichem timbre, grrr!), der sie, aus allen wolken fallend über die lauernde gefahr des GHK, väterlich belehrt, „ihre tochter zu schützen“ (das gör treibt sich während muttis monatlichem frauenarzt-termin desweilen mit den jungs aus der nachbarschaft rum). dass hier sowie im TV -spot der gynäkologische aspekt so immanent ist, verweist auch auf die bedeutendere ebene der impfung: kontrolle des pubertären weiblichen körpers, der nicht nur sozial und gesellschaftlich, nunmehr auch unverhohlen biotechnisch auf ein bestimmtes recht populäres frauenbild zugeschnitten werden kann. damit das heute junge mädchen später mal was gilt, muss ihre gebärmutter wenigstens ein paar nachkommen ausspucken oder prinzipiell überhaupt fähig dazu sein. den kranken, unfruchtbaren (und sich verweigernden) körper braucht diese gesellschaft nicht.
bleibt zu erörtern, an wen sich also diese werbung richtet. frauen, ja – aber welche? das beliebte spielchen „hop und top in der BRD“ verweist auf gut verdienende zielpersonen, da die impfung nur für mädchen bis 17 jahre kostenfrei ist. wie bereits angedeutet, ist der gynäkologische aspekt äußerst hervorgehoben, es geht auch deutlich um familienplanung, ein grabenthema im demografisch nervösen deutschland. pro kind = pro gesellschaft, bla. die individuelle entscheidung, kinder zu bekommen, ist nicht mehr denkbar ohne die verwicklung des staates in diesen akt, das interesse der gesellschaft an kindern, die deutlicher denn je als rentenfaktoren, human ressource und bindekitt in eine schwammige „zukunft“ fungieren, ist geradezu monströs angeschwollen (mit angst geht ja immer alles).
die werbung richtet sich explizit an mütter – sie sollen die verantwortung übernehmen für ihre minderjährigen (und damit unmündigen?) töchter, nein, für deren gebärfähigkeit und damit das fortbestehen der familiären linie. wie sich die tochter dazu positioniert, ob sie z.b. überhaupt eines tages kinder haben will oder eventuell in einer nicht heterosexuellen beziehung lebt, ist völlig wurscht. genauso wurscht ist die haltung der väter – wo sind die eigentlich? können doch auch zum frauenarzt gehen mit ihrer tochter und sie impfen lassen, bei masern-mumps-röteln im kindergartenalter war das doch auch alles kein problem. wie, das ist peinlich? aber es geht doch um die sexualität, gesundheit und späteres „familienglück“ deiner tochter! aha, soll die mutti machen, die ist ja „auch ne frau“. weiterhin sind auch eventuelle risikofaktoren a.k.a. partner_innen nicht benannt. da das krebsrisiko durch viren ausgelöst wird und diese viren wie vermutbar beim geschlechsverkehr übertragen werden, könnte man ja auch mal – wenn das thema denn wirklich die relevanz hätte, dies es zu haben andeutet – die sexuellen koakteure mit einbeziehen, genauso selbstverständlich, wie dies bei den themen verhütung und HIV-prävention vorgenommen wird. fehlanzeige. wird die frau krank, ist sie selbst schuld oder ihre mutter, die die impfung schändlich als „quatsch“ ausschlug.
neben der angst vor dem „versiegen“ der familienlinie durch die unfruchtbare tochter (wie archaisch!), ist die kampagne kulturologisch äußerst fragwürdig. biotechnischer eingriff in den körper einer minderjährigen, die zudem auch offensichtlich nicht gefragt wird, abwälzung dieser verantwortung allein auf die frau, die ganz selbstverständlich heterosexuell, gebärfreudig und -willig ist, in einer festen beziehung lebt (= weniger ansteckungsgefahr, gelle) und „verantwortungsvoll“ mit der ressource gesundheit umgeht. kein willkürlich und planlos vollzogener sex unter teenagern, die elterlich-mütterliche kontrolle überpräsent, und zeugungs-, befruchtungs- und gebärvorgänge, die so schrecklich komplex physiologisch-psychologisch verwoben sind, dass die bei glaxosmithkline dargestellte reduzierung auf einen für die menschliche fortpflanzung relativ unwichtigen verbindungskanal wie die zervix geradezu monströs mittelalterlich anmutet.

unten mit pierre und den görlz

April 16, 2008

141 seiten mit pierre bourdieu, meinem intellektuellen späten stiefvater, und seiner „die männliche herrschaft“ (im französischen original 1998 erschienen) verbracht und immer noch werde ich das gefühl nicht los, ich lese die neue brigitte im wartezimmer beim arzt.

das spätwerk bourdieus ist leider schwachbrüstig, stilistisch (schachtelsätze des grauens) wie inhaltlich: pierre b. tut gerade so – aus welchem grund auch immer- als wäre der genderdiskurs der, sagen wir, letzten 15-20 jahre an ihm abgeperlt oder vorbeigerauscht wie regen an einer fensterscheibe. nicht ein sterbenswörtchen in richtung genderkoriphäe judith butler oder den third wave feminism. statt fleißig zu dekonstruieren, baut bourdieu nicht nur die schnarchige binarität von „mann/frau“ in der westlichen hemisphäre säuberlich wieder auf, sondern zieht als methode der objektivierung noch den vergleich mit einer „primitiven“, d.h. der kabylischen gesellschaft und ihrer androzentrik hinzu. äh, ja, klar soweit.
in den fußnoten verliert er sich kurz in der eigentlichen (m.E.) aufgabe seines werkes, nämlich der andeutung soziostruktureller unterschiede zwischen, der einfachheit halber, männern und frauen. denn nicht nur zwischen den geschlechtern, deren größter unterschied immer wieder gerne auch von bourdieu als biologisch legitimiert wird, sondern vor allem innerhalb der geschlechter herrschen gröbste differenzen bezüglich sozialer herkunft, aufstieg/abstieg in der gesellschaft, medien der wahrnehmung und darstellung, etc. einer frau zu unterstellen, sie wäre „wie alle frauen“ und würde dem entsprechend ihr handeln und denken ausrichten, nur weil sie phänotypisch einem bestimmten raster zuzuorden ist, ist vielleicht einer der größten beleidigungen, die man durchaus kritischen xx-chromosomenträgerinnen machen kann.

wenn schon „der weibliche blick auf die männliche perspektive“ nach etwas mehr als der hälfte endlich zum sprechen kommt, dann hoffe ich, dass auch der männliche blick auf die männliche perspektive erwähnt wird. wo sind denn all die erwähnten kleinen despoten und herrscherlein? was sagen sie selber zu dem um sie herumgestrickten diskurs? da nimmt der versierte ethnologe mal gerne ein kontrastbeispiel zu hand, nämlich transvestiten. hilft aber nix, ich habe trotzdem einen schwulen freund, der so gar nicht seinem libido dominandi bei mir nachgehen will. hach! ist das wieder alles kompliziert! da lese ich vielleicht doch lieber den knackigen bestseller von frau roche über analfissuren und muschigeruch.

p.s.: freud zu zitieren und mit ihm psychologische dispositionen von „weiblichkeit/männlichkeit“ zu umreißen ist zwar ganz tollo, aber – war das nicht auch ein mann, der mit hysterischen fräuleins seine karriere begründete ? - sans mots -

acceptable in the 80s

März 21, 2008

donnerstag ist mädchenabend. rauchen, reispfanne, schnappes, und GNTM. GNTM? genau! mit heidi k.
da darf man die alten feministischen vorurteile rausholen, ach jaja, da wird man schon vom zugucken magersüchtig und so.
die schokolade schmeckt gleich besser:

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charlotte herman

März 2, 2008

what makes a woman a woman? charlotte roche, meine heimliche jugendgöttin, weiß es im aktuellen tagesspiegel auch nicht. frau roche hat ein buch geschrieben, „feuchtgebiete„, das bietet anlass genug für ein interview. im fernsehen sieht man sie heuer weniger, wenn, dann in talkshows, gebucht als „die verrückte frau aus dem mittlerweile toten fernsehkanal“ oder bei arte, wo sie leider ganz entgegen ihrer früheren moderationen brav ansagt, welche indieband aus belgien wir nächste woche schon wieder vergessen haben werden. SCHADE!

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