ein tag wie jeder andere … aber halt! deutschland gegen türkei. ein dramolett der ballkunst in drei zu zwei akten. in der schwül-lülülülü-en hitze von berlin wurde man zum schlesischen tor (kreuzberg, ihr ahnt schon…) geladen und dort sollte es zum public viewing beim lieblingsspäti gehen. früher nannte man das fernseh gucken, aber egal. die neue fahne sieht also wie folgt aus: schwarz-rot-gold und auf dem roten teil ein weißer halbmond mit stern. das ist designtechnisch höchste kunst und befriedigt die meisten gemüter.
ein spiel voller menschen, bällen, emotionen. außer einem pöbler, der, wie sich später rausstellt, geburtstag hat, und etwa dreißig minuten alle eine fotze nennt. das wahre drama beginnt bei der ersten bildstörung. schreie. es folgt kurz darauf: ausfall des beamers, zweite bildstörung. ohnmacht, apokalypse. deutschland gewinnt fast bilderbuchmäßig, für 2 sekunden sind wir deutschland, ich auch. wir stoßen an mit krombacher für die rettung des regenwaldes. gleich darauf zum autokorso … welcher autokorso? in diesen zeiten wird gespart oder es sind die ökonazis am werk, jedenfalls fahren kaum autos. auf der straße sammeln sich hingegen türken, deutsche, rabauken aus friedrichshain, die die keulen vom ersten mai rausholen. autos werden geschunkelt, flaschen geworfen und die prosodie von „doischlaaaaaan’ “ und „tür-ki-ye! tür-ki-ye!“ mischen sich zu „doischlan’-tür-ki-ye!“. kein zweifel, bei einem türkischen gewinn wäre die hölle los und die party fände kein ende bis in den nächsten tag hinein. eine irgendwie deutsche euphorie ist nicht wirklich zu spüren, jedoch scheint es, dass sich nun mit jedem spieltag v.a. berlin in eine kleine karnevalsburg verwandelt. selbst die s- und u-bahnen sind eine einzige fahrende fanmeile.
was das alles bedeutet, vermag man nur zu ahnen. fußball als kittsubstanz einer fragmentierten gesellschaft? fußball als ritualisierte gewalt und aggression? krieg mit anderen mitteln? darauf ein krombacher aus dem regenwald.
Archiv für Juni 2008
black-red-golden crescent rising
Juni 25, 2008vecher III
Juni 1, 2008oh wedding, schönes wedding. chresthomatisch begabte mädchen sagen mir voraus, dass ich im nächsten leben in der ukraine wiedergeboren werde – wegen des karmas.
ein mann prostet uns von seinem fenster zu als wir die straße mit der pugacheva und ukrainischen hits beschallen.
ringbahnsaufen erfolgreich abgeschlossen: station eins.
storkower strasse. das leergefegte gelände einer ehemaligen schlachterei wartet auf besuch. straßen. eine davon „Neue Welt“, die nächste schon „Zur alten Jammer“. endlich eine kneipe, „eisbein eck“, von der wir vermuten, sie hieß vor ein paar jahren mal „bei manni“ oder „uschis biereck“. wir bestellen jägermeister. es gibt eine braune flüssigkeit in fettverschmierten gläsern, es ist nicht jägermeister. die wirtin ist hackedicht und sieht aus, als hätte sie schon öfters mal das gesicht zerschlagen bekommen. ihre gäste sind genauso hackedicht. „wo kommt ihr denn her?“ wir kommen vom geburtstag. echt? und wann war der? am dienstag. wir feiern seit dienstag durch. darauf heben wir einen mit, vermutlich, manni. „jetzt raus ihr, wir haben gleich sperrstunde und wir wollen keinen ärger mit der polizei!!“
station zwei.
neukölln. schönheit in aktion. von der station fällt man hinaus in den dönerladen. menschen, die aussehen, als hätte man ihnen schon öfters das gesicht zerschlagen. es ist viertel nach zwei. bei börek und bier auf den plastikstühlen vor der tür fühlt sich auch neukölln an wie kurfürstendamm am sonntag morgen. ein mann kommt vorbei, er trägt einer reiterkostüm. fein. wir kippen underberg hinterher und weiter.
station drei.
schöneberg. erstaunlich lebendig. wir waren noch nie hier. mittlerweile nur auf den harten und trinkfesten kern reduziert gibt es linsensuppe. der laden bietet auch pansen an. ein mann südosteuropäischer herkunft spielt auf einem hackbrett verträumte melodien in die nacht. frisches warmes brot um kurz nach drei ist ein segen.