vecher I

By olgapark

die aufdröselung der „freundschafts-punkte-vergabe“ beim jährlichen eurovision gleicht gar einer ethnologischen analyse momentaner kriegs- und friedensszenarien über den kontinent namens europa und zwischen all jenen, die sich vielleicht noch dazu rechnen (think israel).
norwegen gibt polen 8 punkte wegen der hohen zahl der auswanderer dort, bulgarien verteilt an deutschland 12 punkte, weil alle lesbischen bulgarinnen lucy huldigen. serbien und montenegro geben jetzt getrennte stimmen ab. dass der armenische beitrag auch gerne jenseits von gut und böse sein kann, beweist mal wieder, was ne ordentliche diaspora wert ist. wie bei der letzten bastion des nationalisierens, dem fußball, wird auch beim eurovision ausgepfiffen und da wurde gedacht, man hätte den patriotismus hinter sich gelassen. eine umfrage ergab, dass in jenen ländern, die nicht durch die vorentscheidung kamen und somit nicht teilnehmen, die „einheimische“ bevölkerung erst gar nicht zuschaut, geschweige denn abstimmt. so we is gonna get more votes for barbados next time!
eurovision ist auch ein erstaunliches barometer des zerfalls der westeuropäischen hegemonie. den sieg tragen meist keine länder zentraleuropas (mehr) davon (ich freue mich wahnsinnig auf den ersten grand prix in azerbaijzan!). seit 2002 fand der wettbewerb in tallin, riga, istanbul, kiev und helsinki statt. nicht zu vergessen israel, das immernoch erstaunlich europäisch ist wenn es um entertainment geht (und dieses jahr einen kibbuz-boy schickte, oh my). aber es bleibt fraglich, ob länder wie deutschland, frankreich, großbritannien oder italien jemals wieder gastgeber sein werden, selbst-vergessen und träge wie sie sind.
dass russland gewonnen hat, war eine seltsame überraschung. ok, timbaland, diese musikhure. ok, dima dazu. long-distance telecommunication owning female teenagers of the former east block, unite. immerhin, dadurch wird es lustig werden, nächsten frühling in moskau.

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