Archiv für März 2008

personal jesus II.

März 21, 2008

someone to be your friend, someone who cares.
interessiert beobachte ich die karfreitagsumzüge am bildschirm, wie sich menschen v.a. katholischen glaubens früh morgens aus dem bett zerren um durch den wald zu laufen – immer einer verkleideten christus-figur hinterher, die ein kreuz auf den schultern hinter sich herträgt. katholizismus ist wohl die dramaturgisch am besten durchdachte form des christentums, so viele schöne regeln die man brechen darf und pompöse inszenierungen der gottheit.

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personal jesus I.

März 21, 2008

die christus-impersonatoren in jerusalem sind mitglieder einer hollywood-schauspieler-truppe. ihr messias hat hat goldblonde haare und kunstblut läuft ihm in strömen über die glattrasierte und sonnengebräunte brust. die israelischen soldaten sind aber rischtisch escht und blicken grimmig hinter ihren riesensonnenbrillen mit den MPs im anschlag.

acceptable in the 80s

März 21, 2008

donnerstag ist mädchenabend. rauchen, reispfanne, schnappes, und GNTM. GNTM? genau! mit heidi k.
da darf man die alten feministischen vorurteile rausholen, ach jaja, da wird man schon vom zugucken magersüchtig und so.
die schokolade schmeckt gleich besser:

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lit.

März 17, 2008

„die ersten erfahrungen mit den hermetisch geschlossenen grenzen zwischen menschen sind hart. langwierige verhandlungen von freizügigkeitsabkommen werden meist nur im anschluss an große krisen aufgenommen, und bis dahin steht der mensch da, weiß nicht, ob er als herdentier oder einzelgänger zur welt gebracht wurde und muss seine diesbezügliche verwirrung auch noch vom schandbegriff ‘pubertät’ banalisieren lassen.“

juli zeh, „spieltrieb“ (2006)

ach juli…damals…gleich nach der überdosis houellebecq…

meet the family

März 17, 2008

reykjavík, 1981/82. es riecht nach fisch und marihuana (sagt man so). eine verdammt junge band namens „selbstbefriedigung“ (sjálsfróun) spielt in einer schulaula und zerschlägt ihre schäbigen instrumente, etwa 10 jahre prä-kurt cobain. der drummer der band scheint noch nicht mal die grundschule beendet zu haben, der rest der band besteht aus assi-punks der vordersten reihe. mitleidig darf man die mundwinkel verziehen als der kleinste meint, er könne sich den kick des klebstoff-schnüffelns nicht immer leisten; tragisch, denn heroin war etwas für das festland und in island in der zeit vor dem massentourismus weitestgehend abwesend.
„rokk í reykjavík“, entstanden anfang der 80-er jahre, ein eher flüchtiger und sichtbar amateurhafter dokumentarfilm über das was in island „pönkbylgjan“, die punkwelle, heißt und irgendwie den späten beginn der moderne einläutete für die fischernation. die kinder von seemännern und schafzüchtern wünschten sich zu weihnachten oder der konfirmation eine e-gitarre. jungs, die in probekellern abgehen wie ein zäpfchen, heute gäbe es ritalin und tanztheater gegen die aggression, die langeweile. es wurden tiere geopfert in einem happening, bis die polizei einschritt, alles unter dem einfluss von vímur, selbstgebranntem schnaps zur zeit des bierverbotes. eine sehr junge björk von 14 jahren, ein ebenso junges publikum. die „punks“ aus island sind glattgekämmte jungs in regendichten overcoats, mutti hat auch stullen für’s konzert mit eingepackt. geil.
(und endlich sind die wollpulli-tragenden wanderrucksäckler aus dem kino raus sobald die rede von beton und dreck ist.)

die feinen unterschiede

März 10, 2008

neue hose: 15 €
stiefel der letzten saison mit riss: 30 €
t-shirt H&M: 6 €
schwarzer pullover vom flohmarkt: 4 €
ohrringe: 3 €
ring vom flohmarkt: 0,50 €
make-up: 3 €
reinigung des mantels seit zwei jahren
immer wieder aufschieben:    + 15 €

diese uschis nichts von dem merken lassen: unbezahlbar.

dank an pierre b. für echte stilberatung.

peter scholl-latour die pest an den hals

März 7, 2008

„meine kollegen des kamerateams sind fasziniert von den jungen russinnen, die das straßenbild weit mehr beherrschen als die grobschlächtigen, auf schlägertyp gestylten männlichen sibirjaken. es handelt sich bei diesen hochgewachsenen, teils bildschönen frauen keineswegs um prostituierte, obwohl sie sich deren attribute in grotesker weise zu eigen gemacht haben.[...] auf die frage, warum sie sich denn so extravagant ausstatte, antwortet einen schöne blonde: ‘beauty first’.[...]die schamlose darbietung ihrer reize dauert bei den jungen russinnen – das phänomen ist keineswegs auf magadan beschränkt – bis zur erreichung des ziels: der festen bindung an einen männlichen partner, wie boris versichert. einmal unter der haube, würden die schmalen hüften schnell in die breite gehen. die absätze schrumpfen dann auf ein normales maß. die grelle kriegsbemalung verschwindet aus dem gesicht, und der übliche schlendrian eines langweiligen, arktischen ehelebens wird mit viel wodka und zank beginnen.“

peter scholl-latour „russland im zangengriff“, TaBu 2007, s. 259

lieber peter scholl-latour!
ich bekam ihr buch zu weihnachten, als menschen aus meiner familie meinten, mir damit etwas gutes zu tun. jetzt ist bald ostern, ich las ein paar seiten…was soll ich sagen? thematik und stil sind eins a zum kotzen. früher hat man bücher weggeschmissen, heute verkauft man sie bei ebay weiter – das werde ich tun.
sie freuen sich bestimmt ganz toll, wie sie so alle gebirgszüge im hindukusch benennen können, und dass sie so krasse sachen in afghanistan oder weiß der kuckuck wo erleben. prima! das erinnert mich an jungs, die früher alles wußten, weil sie sonst nichts zum angeben hatten.
doch jetzt mal ehrlich: warum diese verachtung? aus jeder seite tropft die abfälligkeit gegenüber russen, afghanen, usbeken, tadschiken, chinesen – alle doof außer sie?? ich habe nach ein paar seiten aufgehört, die adjektive zu zählen, die diese bekannte überhebliche westeuropäische sicht rekonstruieren. hybris, herr scholl-latour, hybris. sie sagen: „die russen“. und sprechen noch nicht mal ein wort russisch, um herauszufinden, was dieses feindobjekt denn da brabbelt an den bushaltestellen und in den küchen.
das obige zitat muss man also auch nicht weiter beleuchten. oder doch? neben frauenverachtung spielen sie hier auch die experten-karte. es sei an edward said erinnert – der orient, das ferne, das unbekannte und irgendwie unverstandene ist immer weiblich. und schwach. oder so. naja, jedenfalls – grüßen sie mir die prostituierten in südfrankreich.

solidarisch zum internationalen frauentag

ihre,

olga park

fund

März 4, 2008

We didn’t have no where to live, / we didn’t have nowhere to go
’til someone said / „I know this place off Burditt Road.“
It was on the fifteenth floor, / it had a board across the door.
It took an hour / to pry it off and get inside. / It smelt as if someone had died;
the living-room was full of flies, / the kitchen sink was blocked,
the bathroom sink not there at all. / Ooh, / it’s a mess alright, / yes it’s
Mile End. / And now we’re living in the sky! / I’d never thought I’d live so
high, / just like Heaven / (if it didn’t look like Hell.)
The lift is always full of piss, / the fifth floor landing smells of fish
(not just on Friday, / every single other day.)
Below the kids come out tonight, / they kick a ball and have a fight
and maybe shoot somebody if they lose at pool.
Ooh, / it’s a mess alright, / yes it’s / Mile End.
[mumbled mutterings... you love it...]
Oo-ooh / Nobody wants to be your friend
’cause you’re not from round here, / ooh / as if that was
something to be proud about. / The pearly king of the Isle of Dogs
feels up children in the bogs. / Down by the playing fields,
someone sets a car on fire I guess you have to go right down
before you understand just how, / how low,
how low a human being can go. / Ooh, / it’s a mess alright, / yes it’s
Mile End. / (don’t do that! Leave it out!) / Bababa…
Lalala…

Pulp „mile end“ (1996)

herr bioadapter

März 4, 2008

nein, er ist nicht betrunken in dänemark fahrrad gefahren. trotzdem in netzeitung.

neulich in neukölln – naziopa teil 2

März 4, 2008

Harald K.
Verw. Amtmann a.D.
F…….str. 55 D
1…. Berlin

Berlin, 29. 02.08

Sehr geehrtes Frl. Olga Park,

Nun möchte ich weder erörtern noch kommentieren, welche Aversionsgefühle mir gegenüber Sie abschließend dazu bewegt haben könnten, mich mit den gesamten Utensilien vor meiner Haustür stehen lassen zu müssen.

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